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Markus Möller unterwegs

Relacje z trasy

Autor: Markus Möller

Data rozpoczęcia:2013-06-06

Data zakończenia:2013-06-20

Peenetal, Peenestrom und Lassaner Winkel
Per Kajak und Fahrrad auf Entdeckertour


1. Tag: Von Anklam nach Anklam

Alles ist wieder da: der Geruch von Neopren, das Spielzeugrot des Kajaks, schmatzendes Wasser am Kiel, die Unsicherheit beim Einsteigen in die Luke. Zwar ist die Peene nicht die russische Lena, auf der ich vor 13 Jahren über 3.000 Kilometer mit einem Freund gepaddelt bin, und Anklam ist auch kein Dorf in sibirischer Abgeschiedenheit.
„Aber wartet‘s nur ab“, sagt Carsten Enke. „Gleich hinter der Brücke kommt die Wildnis.“

Dem freundlichen Mann bläst der kühle, steife Nordwind immerzu Haarsträhnen ins wettergegerbte Gesicht. Seine Frau Antje steht am Fenster im warmen Café und winkt uns. Die beiden haben hier ein kleines Paradies für Paddler geschaffen. Ihre Kanustation nannten sie „Abenteuer Flusslandschaft“. Aus gutem Grund, denn von hier aus erkunden Wasserwanderer den Amazonas des Nordens, wie man die Peene gern nennt. Sie ist in einen der schönsten Naturparks Deutschlands gebettet, ins Peenetal. Stromaufwärts schmiegt sich der Fluss in die von Schilf, kleineren Wäldern und weiten Wiesen beherrschte Landschaft. Abwärts mündet er nach etwa zehn Kilometern in den großen Peenestrom, und der wiederum oben, bei Freest, in die Ostsee.

Carsten Enke hält sein Gesicht in den Wind, wie um dessen Stärke zu messen. „Beaufort vier bis fünf“, stellt er fest und beginnt an unserem Vorhaben zu zweifeln, noch heute das 30 Kilometer entfernte Lassan zu erreichen.

Auch diesmal begleitet mich mein Schwiegerpapa Be. Für zwei der vier Tage einer Reise, die von Anklam über Lassan und Wolgast bis nach Freest führen soll, und dann später per Fahrrad von Freest zurück an den Anfang, hierher, von wo aus wir nun starten. Carsten Enke scheint noch „Viel Glück“ zu rufen, aber sicher bin ich mir nicht, denn der Wind trägt seine Worte fort.

Steuerbords ragen ein paar blaue Hafenkräne in den weißen Himmel. Dahinter die Marienkirche mit und die Nikolaikirche ohne Turm – gezeichnet vom Krieg. Ich denke mir, dass schon die Seeleute der mächtigen Hanse an ihren steinernen Mauern vorbeifuhren, vorbei auch an diesen Ufern. Doch Träumerei wird im Kajak bestraft, es schaukelt, und Be lacht leise über mein klägliches Steuern. Rasch sind wir wieder auf Kurs, unterqueren die älteste Rollklappbrücke Deutschlands – gebaut von den Krupps in den Dreißiger Jahren. Stahl ächzt, ein fürchterliches Donnern, der Zug nach Stralsund rollt über uns hinweg.

Minuten später umgibt uns nur noch das Säuseln des Windes. Er biegt das Schilf, kräuselt das Wasser, und wenn einer von uns etwas sagt, wirkt es zerrissen und fern, als wäre es nicht wichtig. Also schweigen wir. Um uns das Peenetalmoor. Natur, soweit das Auge reicht, kein Haus, nichts. Vereinzelt krümmen sich von Bibern benagte Bäume am Ufer. Die Landschaft – friesisch flach. Es riecht nach feuchter Erde. Ein Milan schwingt sich auf, gleitet in der Luft und dann über den Wiesen. Hin und wieder ein vergessener Steg aus morschem Holz. Mir ist, als wären wir nicht nur hundert, sondern Tausende Kilometer weit fort von zu Hause.

Bug voraus ist das Wasser eine unruhige, wie unter Strom stehende Fläche. Wir nähern uns dem Peenestrom. In südöstlicher Ferne stemmt sich der alte Stahl der stillgelegten Hubbrücke Kamin gegen einen wild gezeichneten, hinfortfliegenden Wolkenteppich. Nordwärts erblicken wir die Zecheriner Brücke. Ihr Blau lockt uns, denn der Wind peitscht uns Gischt ins Gesicht, das Boot tanzt über die Wellen, wir graben das Wasser mit den Rudern um, vergeblich, wie es scheint, die Brücke bleibt unerreichbar. Sie aber ist unser Ziel, genauer, das Zecheriner Ufer, zu dem sie sich spannt. Wellen schlagen über das Boot, die Augen tränen, der Plan, auf diese Weise noch heute Lassan zu erreichen, versinkt in den uns frontal angreifenden Fluten.

Endlich schabt Sand und Flussgestein unter dem Boot. Im Schutz des Brückenpfeilers schmieden wir bei belegten Broten und einem beherzten Schluck aus der Wasserflasche einen neuen Plan. Das heißt, wir drehen ihn einfach um, wollen uns lieber mit dem Wind verbünden als gegen ihn zu kämpfen, wollen von Freest aus gen Süden nach Wolgast und Lassan vorstoßen.

So paddeln wir zunächst die zwölf Kilometer zurück nach Anklam, begleitet zuerst vom Fauchen der Elemente, und später, zwischen den Moorwiesen des Peenetals, vom Schnattern der Wildenten und den kurzen rauen Rufen der Schwäne.

Carsten Enke steht am Steg, als hätte er ihn seit unserer Abfahrt vor sechs Stunden nicht verlassen. „Das ist vernünftig“, sagt er zu unserer Umkehr und hilft uns aus den Luken.

Später fährt er uns samt Boot in den Norden, nach Freest. Wir dürfen es auf einem Campingplatz nahe des Strandes ablegen. Als sich Dunkelheit übers Land legt, schlafen wir im Hotel Leuchtfeuer mit dem Gedanken ein, dass die besten Pläne nicht immer die sind, die aufgehen.


2. Tag: Von Freest nach Wolgast

Der Fischer schnappt sich wieder so einen stattlichen Hecht, wirft ihn in einen roten Bottich und fährt die Messerklinge durch den in der Morgensonne glänzenden Fischbauch. Unweit bläst aus dem Schornstein eines Räucherofens weißer Qualm. Manchmal treibt ihn der Wind in das konzentrierte Gesicht des Fischers. Merkwürdigerweise passiert es immer dann, wenn er uns was erzählen will.

Dass so etwas eher selten ist, kann man sich vorstellen, denn ein nordischer Fischer ist in der Regel wenig schwatzhaft. Doch weil ich meinen Sohn erwähnte, will auch er von seinem reden, der wie meiner fünf Jahre jung ist.

„Aus dem soll mal was Besseres werden“, grummelt er, und schon streicht der weiße Rauch wieder um seine Mundwinkel. „Fischer sein ist schön und gut. Aber die Politiker machen uns das kaputt.“ Wie ein faules Ei auf einer Wahlkampfveranstaltung schmeißt er die Innereien des Hechts zu den Möwen und Enten vor sich auf dem Wasser. Ich denke mir im schönen Freester Hafen, umgeben vom Plätschern des Wassers an den Bordwänden der Kutter, dass es sehr romantisch sein muss, ein Fischer zu sein, mit der Natur auf du und du, und immer Seeluft in der Nase. Vielleicht aber denkt der Mann mir gegenüber, dass es romantisch sein muss, ein Weltenbummler zu sein – nun ja, alles hat seine Zeit.

Auch unsere verstreicht. Vorbei an den zum Trocknen hängenden Fischernetzen durchmessen wir ein Waldstück zum Zeltplatz, wo unser Kajak liegt. Wir tragen es zum Strand, steigen ein und stoßen uns in einem langen Akt vom Ufer ab, denn es läuft recht flach in den Peenestrom. Doch schon schaukelt unser Boot auf den munteren Wellen. Das Wasser drückt entgegen der normalen Strömung ins Land, als fürchte es die Weite der Ostsee. Immerhin ist es nun mit uns, so wie wir mit ihm. Wir werden eins, und mag es uns zuweilen auch mächtig in Schieflage bringen, nehmen wir Fahrt auf. Und zwar richtig. Das Ufer, an dem nun wieder Schilf wuchert, fliegt nur so vorbei, als hätten wir motorische Unterstützung. Backbord liegt Usedom und die Stadt Peenemünde, von wo aus vor siebzig Jahren V2-Raketen in den Himmel schossen. Mehr und mehr Segelboote leisten uns Gesellschaft: Es ist Usedom-Sail in Zinnowitz.

Zum Nachmittag schließen sich die Wolken wieder zusammen, doch es regnetnicht. Wir steuern aus dem unruhigen Fahrwasser in den stillen Hafen von Großeckardshof. Wie vergessen liegen ein paar Ruderkähne sowie ein kleines weinrotes Segelboot vertäut. Ich angle mit der einen Hand Würstchen aus dem Proviantsack, fühle mit der anderen das Gras unter mir. Be sieht sich das Segelboot genauer an und träumt dabei wahrscheinlich, wie schon manchmal, von einer Weltumsegelung.

Hinter der nächsten Biegung erleben wir ein blaues Wunder. So nennen die Wolgaster ihre Brücke nach Usedom. Der Stahlgigant ist schon weit zu sehen. Just öffnet er sich, wuchtet dabei über 200.000 Tonnen Stahl in die Höhe.

Wir fahren entlang des Yachthafens, versuchen am Steg des Kanusportvereins Wolgast anzulegen. Die Wellen werfen sich hart an die Kaimauer. In einem günstigen Moment ergreifen wir die Leiter des Stegs, hieven uns nacheinander aus den Luken und klettern triefend die Sprossen hinauf. Untermalt vom Soundcheck Matthias Reims, der auf einer nahen Bühne für sein heutiges Konzert probt, ziehen wir das Kajak an Land. Ein Mitarbeiter des Vereins drückt uns einen Schuppenschlüssel in die Hand, wir dürfen das Boot für die Nacht einschließen.

Wolgast soll so etwas wie „größerer Freund“ heißen. So kommt es mir auch vor, als wir am Abend auf dem Marktplatz sitzen, wo der Brunnen vor dem alten Rathaus plätschert und aus dem Eingang der „Kaffeemühle“, einem historischen Museum, leise Klaviermusik dringt. Zwei Tage sind vorbei, Be und ich verabschieden uns mit einer freundschaftlichen Umarmung. Dann bin ich allein. „Morgen soll es regnen“, sagen die Leute. ,Man muss nicht alles glauben‘, denke ich.


3. Tag: Von Wolgast nach Lassan

Er sieht noch ein bisschen müde aus, als er vor der Hoteltür steht, und unsicher dazu. ,War das jetzt eine gute Entscheidung?‘, steht ihm ins Gesicht geschrieben. Christian ist ein Freund aus Greifswald, der die meiste Zeit des Alltags stickige Hörsaalluft atmen muss. Aus einer spontanen Idee heraus, und weil ihn meine Schwärmerei für Vorpommern neugierig gemacht hat, will er mich heute begleiten. Als das Kajak startbereit ist, verfliegt seine Skepsis. Er nimmt einen kräftigen Zug vom Nordwestwind und ist sich trotz des grauen Himmels sicher, dass dies ein schöner Tag wird.

Christian und ich sind nicht die einzigen, die das raue Wetter für eine Kraftprobe mit der Natur nutzen wollen. Es ist ebenso wie gemacht für Gunnar. Der kommt wie ich aus Rostock, ist mein Nachbar und im Büro mein Kollege. Ein guter Freund ist er obendrein. Und heute unser dritter Mann. „Worauf warten wir?“, lacht er uns an. Er hat ein Paddleboard unterm Arm. Das ist so ein ovales aufblasbares Ding, das einem Surfbrett ähnelt. Nachdem er es aufgepumpt hat, steigt er ins Neopren, greift sich sein Paddel und erobert wie selbstverständlich den Strom. Christian und ich sitzen in unseren Luken, Gunnar steht auf dem Board wie ein Gondoliere und sticht dabei lässig sein Ruder ins Wasser.

Der Wind ist noch stärker als gestern, er ergreift uns, zieht uns mit sich gen Süden, wir paddeln wie im Zeitraffer am Wolgaster Hafen vorbei, an der Peene- Werft, ein paar Fischern am Kai, Reusen und Schilf. In den Ohren nur stetes Rauschen, und manchmal einen schwer zu verstehenden Zuruf von Gunnar, der Frohnatur. Von hier aus erinnert sein Board an eine Eisscholle, auf der er einsam, bei Windstärke fünf bis sechs, mitten auf dem Peenestrom treibt, wobei er das sich zusammenbrauende Unwetter noch zu genießen scheint.

Die Wolken, bauschig und schwer, fahren wie Kriegsschiffe über uns hinweg. Regen klatscht hernieder, durchlöchert das Wasser, prasselt auf die Kapuzen, durchdringt sogar die als wetterfest gepriesenen Jacken und frisst sich dann bis auf unsere Haut. Die einen halben Meter hohen, über die Spritzdecken klatschenden Wellen sorgen für weiteren Feuchtigkeitsnachschub. Es blitzt, es donnert. Gunnar sitzt jetzt auf dem Board, lächelt nicht mehr. Anlanden. Nur wo?

Wir erspähen eine kleine Ausbuchtung, einen Steg, der zu hoch ist; wir gleiten ins Schilf, torkeln erschöpft von der Schussfahrt und triefend nass an Land, suchen einen Unterschlupf, finden in einer Bungalowsiedlung einen kleinen Spielplatz und dort ein Drehkarussell, das aussieht wie ein Fliegenpilz. Wir frösteln, klappern mit den Zähnen, sind in Sicherheit.

Als das Gewitter vorbeigezogen ist, fahren wir weiter. Noch stehen die Himmelsschleusen offen, aber ein Blick auf die Karte hat uns verraten: Hinter der nächsten Flussbiegung liegt Lassan, unser Tagesziel.

Wir zwingen unsere steifen Arme zurück in den Paddelrhythmus. Dabei wird uns langsam wärmer. Wir rauschen mit Boot und Board über wildgewordenes Wasser und weit gespannte Reusennetze hinweg, bis sich aus dem grauen, verregneten Tag der Kirchturm von Lassan schält.

Es ist lange her, dass ich mich derart glücklich an einer Tasse heißen Tee festhielt. Wir kauern nahe der Heizung, saugen ihre Wärme auf und senden dankbare Blicke zu der Theke, an der die Frau, die uns den Tee gemacht hat, jetzt Bier zapft. Ihr Mann, ein weißhaariger Mittfünfziger, steht selig daneben und nickt uns anerkennend zu, als hätten wir die Stromschnellen des Sambesi bezwungen. Er hat uns am Steg aus dem Kajak geholfen, hat uns einen Heizungsraum aufgeschlossen, in dem wir uns umziehen durften, während seine Frau den Tee aufsetzte. Die beiden leiten das Naturcamping Lassan. Vor kurzem noch lebten sie in Niedersachsen. Ihre Sehnsucht führte sie ans Meer. „Das hatten wir nicht geplant“, sagt der Mann und kratzt sein glattes Kinn. „Deswegen war‘s wohl auch richtig so.“

Ich blicke in unsere kleine Runde, sehe die zufriedenen Gesichter meiner zwei Mitstreiter, sehe meins sich im Fensterglas spiegeln. ,So umständlich kommt man auch zu einem Lächeln‘, denke ich.


4. Tag: Von Wolgast nach Lassan

Wasser rauscht, schäumt, schlägt Wellen. Ich sitze im Gras, neben der alten Lassaner Mühle, gleich unten, am rostbraunen Bach, und beiße in ein Frühstücksbrot. Die Morgensonne späht scheu über ein paar Bäume, als habe sie wegen gestern ein schlechtes Gewissen. Ihr Licht scheint wärmer als sonst, wie immer nach einem Unwetter. Das Kajak hat Carsten Enke gestern Abend abgeholt. Der Mann von der Kanustation „Abenteuer Flusslandschaft“ hat uns auf die Schultern geklopft und augenzwinkernd gesagt: „Wenn das kein Abenteuer war, Jungs, was?“

Heute bleibe ich eine Landratte. Ich besteige mein Fahrrad und breche allein in den Lassaner Winkel auf. Samt Gepäckanhänger poltere ich über das Kopfsteinpflaster des Ackerbürgerstädtchens, wie sich das kleine Peene- Paradies selbst nennt. Schulkinder warten vor dem Rathaus auf den Bus, schnattern wild durcheinander, als hätten sie sich Monate nicht gesehen. Die gotischen Mauern und Dächer der Johanniskirche werfen weite Schatten um diese Zeit. Sie scheinen wie Wegweiser hinaus in die Stille einer Landschaft, welche mir jetzt noch ganz unbekannt ist und später dann unvergesslich sein wird.

Schon als ich auf die kleinen Wege zu den abgeschiedenen Dörfern einbiege, umgeben von blühendem Raps und im Wind wogenden Weizenfeldern, von wilden Wiesen und sattgrünen Bäumen, die Alleen bilden und sich über mir berühren, merke ich, dass der Reiz dieser Natur nicht in knalligen Urlaubsmotiven, sondern im Versteckten, erst zu Entdeckenden liegt.

Zwischendrin kleine Dörfer, die diese berauschende Idylle unterstreichen. Morgendliche Ruhe liegt über den Dächern der Scheunen und alten Häuser in Papendorf. Ein Schild weist den Weg zu einem Duft- und Tastgarten. In ihm, so lese ich, wachsen mehr als 200 verschiedene Gewürze, Blumen und Heilpflanzen. Selten ist man Seltenem so nah mit all seinen Sinnen.

In Klein Jasedow, unweit eines Sees, wo viele Frösche quaken, steht das Klanghaus, ein Tonstudio, in dem vor einiger Zeit der Rostocker Schriftsteller Peter Wawerzinek seine „Rabenlieder“ aufgenommen hat. Kürzlich las ich sein unter die Haut stechendes Buch „Rabenliebe“ über seine Zeit in einem DDR-Kinderheim an der Ostsee. Denke ich an die bewegenden Zeilen, kriecht in mir der November hinauf. Jetzt aber ist Juni, die schönste Zeit, um aufzubrechen.

So rolle ich weiter durch eine Landschaft, die sich nordwärts Richtung Ostsee schwingt, und westwärts zunächst in das beschauliche Dorf Pulow. Am gleichnamigen See gelegen gleicht es eher einer Siedlung, ja, einem Camp von Menschen, die wie eine eingeschworene Gemeinschaft gegen die Beschleunigung des Alltags wirken. Eine Hängematte zwischen zwei Bäumen, eine kleine Werkstatt, eine Kunstweberei, ein Hof, auf dem jemand Lehmöfen herstellt. Jetzt, um diese Tageszeit, liegt er verlassen, nur eine Katze schleicht darüber, nähert sich mir, schmiegt sich mir an die Beine.

Ein Sandweg führt hinaus aus dem Dorf. Ich umfahre Pfützen, die nun langsam die Sonne aufleckt. Vor mir läuft ein Hase, dann schlägt er einen Haken, und ein Getreidefeld verschluckt ihn. Der Wind streicht über die Ähren, Wellen durchlaufen den Roggen in einem wechselnden Farbspiel aus Hell- und Dunkelgrün.

Buggow, Bömitz, Rubkow. Wege mit wiederkehrenden Namen: Dorfstraße, Feldstraße, Parkweg. Austauschbar und einzigartig zugleich. Feldsteinmauern, hinter denen verwitterte Friedhofskreuze aufragen, Pflasterstraßen, gebogen wie die Dächer von Eisenbahnwaggons, schattenspendende Bäume am Wegesrand, im Gras liegende Kühe, am Ufer ein brütender Schwan. Ich habe lange nicht mehr genau den einen Moment gefühlt, weil der Alltag so viele Blicke nach vorn und zurück verlangt.

Über Murchin und Libnow, wo sich die zierlichen Zinnen eines backsteinernen Herrenhauses erheben, rolle ich auf einem asphaltierten Radweg nach Anklam. Im Wald singt eine Drossel, es duftet nach frischgefällten Bäumen, Sonnenlicht sticht in langen Linien durchs Blattwerk, meine Haut ist verschwitzt und sommerheiß.

Die Stadt zieht mich an, ich rolle hinab ins Peenetal, die Türme der Kirchen und Tore von Anklam werden größer, ich fahre vorbei an der Holländerwindmühle, überquere eine Holzbrücke, unter welcher die Peene ruhig und friedlich dahinfließt, als hätte es die vorherigen Tage auf dem Strom nicht gegeben. Ich sehe die Kanustation und den Steg, auf dem Carsten Enke uns mit wehendem Haar in die frische Brise verabschiedet hat. Daneben liegt unser Kajak. Zwei Frauen, offenbar neue Gäste, greifen es sich, lassen es zu Wasser. Sie haben Glück mit dem Wetter, das muss man ihnen lassen. Und wir? Wir hatten Glück mit dem Unwetter. Schließlich ist die Erinnerung der geschickteste Maler.

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